In einer Schachpartie gibt es mehr Zugmöglichkeiten als Atome im Universum (Artikel auf Englisch) – daher ist es kein Wunder, dass die Wahl des nächsten Zugs Schachspieler:innen manchmal überfordert
Hier findest du einige Tipps, die dir helfen, in deiner nächsten Schachpartie die optimalen Züge zu wählen!
Schritte zur Entscheidung deines nächsten Zugs
Gehe zuerst, unabhängig von deinem Niveau, eine kurze mentale Checkliste durch:
- Sind irgendwelche meiner Figuren in Gefahr, geschlagen zu werden?
- Bereitet mein:e Gegner:in irgendwelche Drohungen vor?
- Was hat der letzte Zug meiner Gegnerin bzw. meines Gegners bewirkt? Warum könnte sie bzw. er diesen Zug gemacht haben?
- Habe ich Möglichkeiten zu einem Schachgebot oder zum Schlagen bzw. Bedrohen einer gegnerischen Figur?
⚠️ Wenn der Zug deiner Gegnerin bzw. deines Gegners jedoch eine ernsthafte Bedrohung darstellt – etwa ein Schachmatt im nächsten Zug oder einen Angriff auf deine Dame –, solltest du darauf sofort reagieren, statt deinen eigenen Plan weiterzuverfolgen.
Selbst wenn du etwas Großartiges vorhast, z. B. einen gegnerischen Bauern zu gewinnen, wirkt dies plötzlich nicht mehr so überzeugend, wenn dein:e Gegner:in dich im nächsten Zug schachmatt setzt und die Partie plötzlich beendet ist!
Tipps für Anfänger:innen
Der berühmte russische Schachspieler Michail Chigorin aus dem 19. Jahrhundert soll einmal gesagt haben: „Selbst ein schlechter Plan ist besser als gar kein Plan.“ Irgendeine Strategie zu haben ist immer besser, als mit den Figuren planlos hin und her zu ziehen. Genau wie Militärgeneräle oder Sportmannschaften müssen Schachspieler:innen zuerst einen Plan entwickeln und dann ihre Figuren so einsetzen, dass sie gemeinsam nach ihm handeln.
Mach dir nicht zu viele Gedanken darüber, ob dein Plan gut oder sinnvoll ist – entwickle einfach irgendeinen Plan und versuche, Züge zu machen, die zu deinem Vorhaben passen. Je mehr du über Schach lernst, desto bessere Pläne wirst du mit der Zeit entwickeln können.
Dein Plan kann ganz einfach sein:
- eine bestimmte gegnerische Figur oder einen Bauern anzugreifen
- das schwache Feld f2 oder f7 ins Visier zu nehmen (dieses Feld ist oft anfällig, weil es anfangs nur vom gegnerischen König gedeckt wird!)
- auf der linken Seite des Bretts anzugreifen, die für Weiß auch „Damenseite“ genannt wird
- auf der rechten Seite des Bretts anzugreifen, die für Weiß als „Königsseite“ bezeichnet wird.
Dein Plan für die Eröffnungsphase kann darin bestehen, alle Leichtfiguren (Springer und Läufer) zu entwickeln und anschließend zu rochieren. Wenn dein Plan durchkreuzt wird, gerate nicht in Panik – entwickle einfach einen ganz neuen Plan!
Tipps für Fortgeschrittene
Ein „Kandidatenzug“ ist ein Zug, den du ernsthaft in Betracht ziehst und der deshalb eine genauere Analyse verdient.
Sobald du ein paar Kandidatenzüge im Kopf hast, stell dir deinen ersten Kandidatenzug auf dem Schachbrett vor: Visualisiere gedanklich, wie deine Figur tatsächlich auf ihrem Zielfeld steht, so als hättest du diesen Zug bereits gespielt. Das kann für Anfänger:innen zwar schwierig sein, es wird mit der Zeit aber immer leichter!
Je mehr du deine Fähigkeit zur Visualisierung trainierst, desto längere Zugfolgen kannst du im Kopf durchspielen. Am Anfang kannst du dir vielleicht nur deinen ersten Zug vorstellen, aber mit genügend Übung wirst du bald auch den Zug deiner Gegnerin bzw. deines Gegners, deinen nächsten Zug und so weiter mit einbeziehen können.
Sobald du die Antwort deiner Gegnerin bzw. deines Gegners – und die wahrscheinlich daran anschließenden Zugfolgen – visualisiert hast, bewerte diesen ursprünglichen Kandidatenzug gedanklich. Nimm dir zum Beispiel für jeden Zug etwa 30 Sekunden Zeit, ihn zu visualisieren und zu analysieren.
Sobald du schließlich deine Liste von 3–5 Kandidatenzügen durchgegangen bist, spiel den Zug, den du am höchsten bewertet hast.
Tipps für erfahrene Spieler:innen
Zum Beispiel solltest du darauf achten, ob es ungedeckte Figuren gibt, sowohl bei dir als auch bei der Gegenseite. Du kannst auch schwache Felder erkennen, also Felder, die gar nicht gedeckt sind, nur von einer gegnerischen Figur verteidigt werden oder überhaupt nicht verteidigt werden können. Außerdem könntest du Felder, Linien und Diagonalen identifizieren, die besonders stark oder schwach sind, sowie aktive und passive Figuren auf dem Schachbrett.
Überlege dir auf Grundlage deiner Beobachtungen einen Plan, der auf diese spezifischen Ungleichgewichte zugeschnitten ist. Wenn du zum Beispiel feststellst, dass du auf einer bestimmten Diagonale stark bist, kannst du noch mehr Figuren entlang dieser Diagonale positionieren, um den Angriff zu verstärken. Wenn du bemerkst, dass eine deiner Figuren passiv und blockiert ist, solltest du sie befreien und aktivieren, damit sie zum Spiel beitragen kann. Und wenn du erkennst, dass eine gegnerische Figur verwundbar ist, ziehe in Betracht, sie zu gabeln, direkt anzugreifen oder eine Taktik zu entwickeln, die auf sie abzielt.
Verbessere dich Zug um Zug!
Behalte diese Gedanken während deiner nächsten Schachpartie im Hinterkopf – und plane und beobachte weiter, damit du in deinen Schachpartien stets erfolgreich bist!