Die koreanische Sprache hat eine reiche und faszinierende Geschichte, die sich über fast zwei Jahrtausende und mehrere Schriftsysteme erstreckt! In diesem Artikel geben wir einen kurzen Überblick über die koreanische Sprachgeschichte und erläutern den Weg des Koreanischen von chinesischen Schriftzeichen (Hanja) zum Hangul, einem für diese Sprache entwickelten und nur für diese verwendeten Schriftsystem.

Die Geschichte des Koreanischen lässt sich in drei Hauptperioden unterteilen:

Wir beginnen unsere Reise mit dem Altkoreanischen und sehen uns genauer an, wie es anfänglich geschrieben wurde.

Was wurde ursprünglich auf der koreanischen Halbinsel gesprochen?

Die meisten Wissenschaftler gehen davon aus, dass das, was wir heute als Koreanisch bezeichnen, bereits um 600 n. Chr. (zu Beginn des Altkoreanischen) die vorherrschende Sprache auf der koreanischen Halbinsel und vielleicht sogar die einzige dort gesprochene Sprache war.

Es gibt jedoch Anzeichen dafür, dass Korea vor dieser Periode eine viel größere sprachliche Vielfalt aufwies. Zwei frühe chinesische Geschichtsbücher aus dieser Zeit, Wei Shu („Das Buch des Wei“) und Hou Han Shu („Schriften der Späteren Han“) geben Hinweise darauf, dass einige Teile Koreas Namen trugen, die dem Japanischen ähnelten, und dass diese mehrere Jahrhunderte vor der altkoreanischen Periode von Gruppen bewohnt wurden, die den Japanern nahe standen. Aus Aufzeichnungen der koreanischen Geschichte geht auch hervor, dass in Korea mehrere Sprachen gleichzeitig existierten.

Vieles von dem, was wir heutzutage über das prähistorische Korea wissen, stammt aus einem Buch namens Samguk Sagi („Chronik der Drei Königreiche“). Interessanterweise zeigt dieser Text, dass auf der koreanischen Halbinsel unterschiedliche Wörter in Gebrauch waren:

  • Das Zeichen 勿, das ungefähr wie „mur“ ausgesprochen wird, wurde im Südosten und Südwesten Koreas für „Wasser“ verwendet. Dieses Wort könnte der Vorläufer des modernen koreanischen Wortes 물 (mul, „Wasser“) sein.
  • Die Zeichen 買 und 米, die wie „mei“ ausgesprochen werden, wurden im Zentrum Koreas für „Wasser“ verwendet. Dieses Wort klingt wie das altjapanische Wort für „Wasser“.

Es scheint, dass die Halbinsel in der Frühzeit Koreas mehrere Sprachgruppen beherbergte, darunter auch Menschen, die einen Vorläufer des Japanischen sprachen!

Altkoreanisch

Das Koreanische zwischen dem 7. und dem 10. Jahrhundert ist als Altkoreanisch bekannt und es ist die früheste dokumentierte Periode der koreanischen Sprache. Zu diesem Zeitpunkt verwendete die Sprache nicht das koreanische Alphabet Hangul, denn dieses war noch gar nicht erfunden! Stattdessen wurden chinesische Schriftzeichen verwendet, die auf Koreanisch hanja genannt werden (한자 oder 漢字 steht für hanja und bedeutet wörtlich „chinesische Schriftzeichen“). Wie man sich denken kann, eignen sich die chinesischen Schriftzeichen für das Chinesische, sie können jedoch nicht unmittelbar auf andere Sprachen übertragen werden, da sie sehr eng mit bestimmten Bedeutungen im Chinesischen verbunden sind. Dies wurde für die Schreiber des Altkoreanischen zu einem Problem. Die meisten altkoreanischen Texte sind eigentlich nur in klassischem Chinesisch geschrieben, aber die koreanischen Schreiber wollten auch Wörter in ihrer eigenen Sprache wiedergeben.

Um dieses Problem zu umgehen, begannen die koreanischen Schreiber jener Zeit, die chinesischen Schriftzeichen auf zwei verschiedene Arten zu verwenden. Manchmal wurden sie in ihrer ursprünglichen chinesischen Bedeutung verwendet und in anderen Fällen nur zur Wiedergabe des Klangbildes eines koreanischen Wortes. Mehrere Zeichen wurden also hintereinander geschrieben, die gegebenenfalls in sich keinen Sinn ergaben. Las man sie jedoch vor, ergab der Klang der einzelnen chinesischen Zeichen ein koreanisches Wort. Das macht das Lesen des Altkoreanischen für die Gelehrten heutzutage zu einer echten Herausforderung, da nicht immer auf Anhieb deutlich ist, ob mit dem betreffenden Zeichen ein chinesisches oder ein koreanisches Wort wiedergegeben werden sollte. Die Schreiber des Altkoreanischen verbrachten Jahre damit, die chinesische Sprache zu erlernen, was bedeutete, dass meist nur Eliten, buddhistische Priester und die Beamtenschaft lesen und schreiben konnten. Für den modernen Leser erfordert das Entschlüsseln und Lesen dieser alten Texte ein jahrelanges Studium des klassischen Chinesisch, des klassischen Koreanisch und der Methoden der Linguistik. Trotz jahrzehntelanger Forschung ist das, was wir über das Altkoreanische wissen, immer noch nicht viel mehr als Vermutungen! Möchtest du mehr über die Unterschiede erfahren? Schreib an die Rubrik „Sag mal, Duolingo“ unter dearduolingo@duolingo.com!

Der Einfluss des Chinesischen auf die koreanische Sprache

Da die chinesischen Schriftzeichen so wichtig für das Lesen und Schreiben des Altkoreanischen waren, beeinflusste das Chinesische das Koreanische auch auf andere Weise, unter anderem durch eine Vielzahl von Lehnwörtern. Es wird vermutet, dass diese Wörter zwischen dem 7. und 13. Jahrhundert ins Koreanische eingegangen sind – zu einer Zeit, in der China großen Einfluss auf die Kultur und insbesondere die Literatur seiner Nachbarländer ausübte, und zwar nicht nur auf Korea, sondern auch auf Japan und Vietnam. Etwa zwischen 50 und 70 % des heutigen koreanischen Wortschatzes basieren auf chinesischen Lehnwörtern und ein bedeutender Anteil der Begriffe der koreanischen Alltagssprache stammt aus dem Chinesischen. Diese Wörter wurden vor mehr als 1000 Jahren entlehnt und da sich die Aussprache des Koreanischen und Chinesischen verändert hat, klingen die Wörter in der Regel kaum noch wie das heutzutage gesprochene Chinesisch:

MANDARIN KOREANISCH JAPANISCH
„Zukunft“ wei-lai mi-rae mi-rai
„Verbindung“ guan-xi kwan-gye kankei

Koreanisch zu lernen ist besonders interessant, wenn man zuvor eine andere ostasiatische Sprache wie Japanisch oder Chinesisch gelernt hat, weil man dann die alten Zusammenhänge zwischen den Wörtern entdecken kann, die diese Sprachen voneinander übernommen haben. Basierend auf den Kenntnissen des Chinesischen oder Japanischen kann man irgendwann sogar vorhersagen, wie ein bestimmtes koreanisches Wort klingt!

Mittelkoreanisch und Hangul

Im Allgemeinen geht man davon aus, dass das Mittelkoreanische einen Zeitraum von fast 700 Jahren umfasst, von der Mitte des 10. Jahrhunderts (als die koreanische Halbinsel gänzlich durch das Königreich Goryeo vereint wurde) bis etwa zu Beginn des 17. Jahrhunderts (als die Japaner in Korea einfielen). Die ersten 500 Jahre dieser Periode (vom 10. Jahrhundert bis zum Jahr 1443) sind als die frühe Periode des Mittelkoreanischen bekannt und die Sprache wurde wie das Altkoreanische geschrieben: mit chinesischen Schriftzeichen, die entweder ganze Wörter darstellten oder das Klangbild eines koreanischen Wortes wiedergaben.

Das änderte sich jedoch drastisch im Jahr 1143: In jenem Jahr veranlasste König Sejong der Joseon-Dynastie (oft „König Sejong der Große“ genannt) die Entwicklung eines Alphabets mit der Bezeichnung Hangul, und im Jahr 1446 wurde dieses dem koreanischen Volk in einer Reihe von Büchern vorgestellt, von denen das berühmteste 훈민정음 (Hunminjŏngŭm, „Die richtigen Laute zur Unterweisung des Volkes“) war. Es heißt, König Sejong sei über die mangelnde Lese- und Schreibkompetenz des einfachen Volkes beunruhigt und habe sich veranlasst gesehen, ein einfacheres Schriftsystem zu schaffen, das ein jeder ohne ein langwieriges Studium des Chinesischen erlernen konnte. Seit der Einführung von Hangul kennen wir sowohl das Lautsystem als auch die Aussprache der koreanischen Sprache nahezu perfekt. Die Schaffung eines eigenen Schriftsystems war ein entscheidender Moment in der koreanischen Geschichte, der immer noch jedes Jahr am 9. Oktober gefeiert wird.

Die mittelkoreanischen Texte geben uns viele Informationen über die Grammatik und die Laute der Sprache, und gebildete Sprecher verstehen wahrscheinlich eine ganze Menge Mittelkoreanisch, wenn sie aufmerksam und vor allem mithilfe eines Wörterbuchs lesen. Wenn du Hangul gelernt hast, wirst du vielleicht überrascht sein, dass bei der Erfindung des Alphabets einige Buchstaben hinzugefügt wurden. Diese waren:

  1. der Vokal ᆞ, der etwa wie „a“ ausgesprochen wurde
  2. der Konsonant ᄫ, der wie das spanische [β], also „v“ und „b“, ausgesprochen wurde
  3. der Konsonant ᅀ, der wie das deutsche „s” in „Sonne“ ausgesprochen wurde

Zu dieser Zeit gab es noch einige weitere Buchstaben, die sich vom modernen Hangul unterschieden, aber diese wurden eher selten oder nur zum Schreiben von Fremdwörtern benutzt.

Die Periode des Mittelkoreanischen endete um das Jahr 1600. Die Stabilität der koreanischen Gesellschaft war in dieser Zeit durch die japanische Invasion Koreas zwischen 1592 und 1598 erschüttert, was zu unermesslichen Zerstörungen auf der Halbinsel führte. Jahrzehnte später, als sich die koreanische Gesellschaft endlich erholte und die Menschen wieder mit dem literarischen Schreiben begannen, wurden viele Anpassungen in der Rechtschreibung und den Konventionen vorgenommen, um den sprachlichen Veränderungen jener Zeit Rechnung zu tragen.

Heutiges Koreanisch

Allgemein wird angenommen, dass das heutige Koreanisch im frühen 17. Jahrhundert entstand. Gebildete Sprecher des Koreanischen werden keine Schwierigkeiten haben, Texte in Hangul aus der Zeit ab dem 18. Jahrhundert zu lesen, auch wenn Stil und Wortschatz manchmal veraltet klingen mögen. Chinesische Schriftzeichen werden zwar in der modernen Sprache in begrenztem Umfang weiterhin verwendet – vor allem in akademischen, historischen und religiösen Kontexten –, doch zeichnet sich das moderne Koreanisch dadurch aus, dass es fast ausschließlich das Schriftsystem Hangul verwendet, insbesondere seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Befreiung Koreas von der japanischen Besetzung.

Obwohl das schriftliche Koreanisch keine chinesischen Schriftzeichen mehr enthält, verwendet es immer noch zahlreiche Lehnwörter aus dem Chinesischen. Zudem hat das moderne Koreanisch auch eine steigende Anzahl an Wörtern aus dem Englischen, von denen einige zum Beschreiben von modernen Objekten wie „Computer“ (컴퓨터 k’ŏmp’yut’ŏ) oder „Fernsehen“ (텔레비전 t’ellebijŏn) dienen. Viele koreanische Wörter sind sogar eine Fusion aus dem Koreanischen und dem Englischen, wie z. B. das Wort für „Blind Dating“, 소개팅 sogaet’ing, zusammengesetzt aus sogae „Vorstellen“ und dem Englischen meeting).

Gelegentlich wurden auch europäische Wörter ins Japanische entlehnt, die dann später ihren Weg ins Koreanische fanden, und jede Veränderung auf diesem Weg führte manchmal zu eigenartigen Wörtern, von denen die meisten Koreaner nicht einmal wissen, dass es sich dabei um Entlehnungen handelt. Hier ist ein Beispiel dafür, wie diese mehrfachen Entlehnungen zu solchen einzigartigen koreanischen Wörtern führten:

  1. Das Japanische entlehnt ein deutsches Wort. Zum Beispiel wurde das Wort „Deutsch“ ins Japanische entlehnt und erhielt die Bedeutung „Deutschland“.
  2. Das Japanische bildet daraus ein eigenes Wort. Das neue japanische Wort für „Deutschland” wurde wie doitsu ausgesprochen, das in etwa die japanische Version des Klangbildes von „Deutsch” ist und mit zwei chinesischen Zeichen geschrieben wird, die wie do (独) und itsu (逸) klingen. Diese ergeben also die Laute doitsu, auch wenn die einzelnen Zeichen eigentlich „einsam” und „großartig” bedeuten!
  3. Das Koreanische entlehnt das neue japanische Wort. Die koreanische Sprache hat das japanische Wort für „Deutschland“ entlehnt, aber die beiden Zeichen wurden mit ihrer koreanischen Aussprache gelesen: tok und il. So entstand das neue koreanische Wort 독일 togil für „Deutschland“ – das ganz und gar nicht mehr wie Deutsch klingt!

Während heute die koreanische Kultur weltweit immer mehr an Beliebtheit gewinnt, verändert sich die koreanische Sprache auch im 21. Jahrhundert weiter, indem neue Wörter in die Sprache aufgenommen und weiterentwickelt werden. Hoffentlich hat es dir gefallen, ein wenig über die Geschichte der koreanischen Sprache zu erfahren und darüber, wie sich ihre Schrift im Laufe der Zeit verändert hat!