Die meisten Menschen lernen eine neue Sprache, um mit anderen in Kontakt treten zu können, nicht nur um Sätze zu bilden. Doch das Verständnis der Struktur der Lernsprache ist erst der Ausgangspunkt, um effektiver mit anderen in der Sprache zu kommunizieren.
Hier ist ein Beispiel: Als ich in Russland studierte, war ich wirklich gut in Grammatik und mein russischer Akzent war auch ziemlich gut. Trotzdem fiel es mir schwer, mit Menschen in Kontakt zu kommen. Es dauerte eine Weile, bis mir klar wurde, dass ich zwanghaft die formelle Version von „du“ bei jedem benutzte, den ich traf, selbst bei Leuten, die mit mir befreundet sein wollten. Ich hielt sie sprachlich auf Abstand, ohne überhaupt zu wissen, dass ich das tat.
Wie du siehst, geht es beim Kommunizieren mit einer Person um viel mehr, als nur die Grammatik und den Wortschatz zu kennen. Hier findest du einige der wichtigsten Punkte, die du verstehen musst, um gut in deiner neuen Sprache zu kommunizieren.

1. Du musst soziale Normen verstehen
Nicht alle Sprachen oder Kulturen definieren auf die gleiche Weise, was höflich ist. Zum Beispiel neigt man im amerikanischen Englisch dazu, Höflichkeit durch indirekte Formulierungen zu zeigen, indem man Fragen stellt wie: „Could you possibly pass the salt?“ (Könnten Sie mir vielleicht das Salz reichen?) Im Russischen hingegen ist es genauso höflich zu sagen: „Gib mir das Salz.“
Wenn du jedoch als russische:r Muttersprachler:in Englisch sprichst und sagst: „Give me a pen“ (Gib mir einen Stift), dann könnte dein Gegenüber denken, dass du extrem unhöflich bist. Wenn du deine Höflichkeitsmuster von einer Sprache in eine andere überträgst, kannst du unter Umständen als unhöflich wahrgenommen werden und nicht einmal wissen warum! Währenddessen könnte man als Muttersprachler:in des amerikanischen Englisch als seltsam nervös wahrgenommen werden, wenn man mit amerikanischem Höflichkeitsmuster auf Russisch nach einem Stift fragt – warum sagst du nicht einfach direkt, was du willst?!
Diese Missverständnisse können schwierig sein, weil Menschen Annahmen darüber treffen, was für eine Person du bist, basierend auf der Sprache, die du verwendest. Und wenn du die falsche Art von Sprache benutzt, um deine Absichten zu kommunizieren, könnte das potenzielle Freundschaften beenden, bevor sie überhaupt beginnen.
In den Duolingo-Kursen bekommst du an verschiedenen Stellen ein Gefühl dafür, wie Höflichkeit in der Zielsprache funktioniert. In den Gesprächslektionen siehst du zum Beispiel, wie man in der neuen Sprache höflich um etwas bittet, und die Kurse greifen auch soziale Normen auf – etwa den Unterschied zwischen formellem und informellem „du“.
Und natürlich sollte man auch bedenken, dass man nicht in jeder Situation höflich sein will. Manchmal muss man ein bisschen unhöflich sein, um etwas durchzusetzen. Und genau wie Höflichkeit ist auch Unhöflichkeit kulturell geprägt. Aber keine Sorge – in den Duolingo-Kursen lernst du auch, wie man im richtigen Moment auf die passende Weise etwas schärfer wird!
2. Du musst gängige Überzeugungen verstehen
Jede Kultur hat unterschiedliche Glaubensmuster darüber, was als Tabu gilt, was es bedeutet, eine gute Person zu sein, wie Kinder erzogen werden sollten usw. Und wenn das kompliziert klingt, wird es noch komplizierter dadurch, dass innerhalb einer Kultur jede Person diese Überzeugungen ein wenig anders auslebt.
Wie kann man sich also in anderen Kulturen zurechtfinden und sicherstellen, dass man sein Gegenüber nicht beleidigt? Man muss lernen, wirklich zuzuhören. Das heißt zum einen, ganz wörtlich zuzuhören, indem man sein Hörverständnis in der neuen Sprache verbessert, aber auch, aufmerksam und bewusst zu beobachten. Es geht darum, die Geschichten anderer Menschen wahrzunehmen und sie im eigenen kulturellen Rahmen einordnen zu können.
Das klingt nach dem, was die Hosts in unseren Podcasts machen? Das ist kein Zufall! Achte beim nächsten Duolingo-Podcast mal darauf, wie die Hosts die Geschichte einordnen und interpretieren, während sie sich entfaltet. Genau damit zeigen sie, was kritisches Beobachten und aufmerksames Zuhören bedeuten.
Wenn dir die Podcasts nicht reichen, findest du auch direkt in den Duolingo-Kursen kulturelle Inhalte. Unsere Kursdesigner:innen formulieren die Inhalte ganz bewusst so, dass sie kulturelle Praktiken und Einstellungen widerspiegeln. Es lohnt sich, darauf zu achten!
3. Du musst dich selbst verstehen
Das absolut Wichtigste, das du verstehen solltest, wenn du eine Sprache sprichst, … bist du selbst! Das ist die größte und schwierigste Aufgabe überhaupt. Um das Beste aus deinem Sprachgebrauch herauszuholen, musst du wissen, *warum* du diese Sprache verwenden möchtest. Was ist deine eigene Kultur und welche Einstellungen bringst du in eine Interaktion mit einer anderen Person ein? Welche sozialen Normen sind dir wichtig? Wo kannst du Kompromisse eingehen? Denn mit jemandem aus einem anderen kulturellen Hintergrund zu sprechen, bedeutet nicht, deren kulturelle Einstellungen zu übernehmen; das ist unmöglich, ohne dich selbst völlig zu verlieren. Frage dich stattdessen: Wer bist du, und wer möchtest du in dieser neuen kulturellen Umgebung sein?
Duolingo hat leider keinen Kurs zur Selbstverwirklichung; das ist ein Teil des kulturellen Wissens, bei dem wir dir nicht helfen können. Aber genauso wie du anderen Menschen zuhörst, solltest du auch dir selbst zuhören. Beobachte kritisch, wie du selbst mit anderen umgehst. Wer wirst du in deiner neuen Sprache sein?
Duolingo bietet viele Funktionen, die dir helfen, eine Sprache sprechen zu lernen. Gleichzeitig gibt es zahlreiche Features, die darüber hinausgehen und dich dabei unterstützen, nicht nur sprachlich sicher zu werden, sondern auch wirklich gut zu kommunizieren. Lust loszulegen? Lade dir Duolingo im Apple Store oder im Google Play Store herunter.