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Hallo zusammen! Ich bin Dr. Farrah Neumann, Lernwissenschaftlerin bei Duolingo, und ich übernehme diese Woche die Rubrik „Sag mal, Duolingo“! Um die heutige Frage zu beantworten, erhalte ich Unterstützung von den Curriculum Designern Tina Tan und Dr. Adele Touhey. Mein Hintergrund ist der Zweitspracherwerb sowie das Erlernen von Sprachlauten. Bei Duolingo wende ich Sprachlernforschung auf neue Produkte und Funktionen in der App an. Tina und Adele erstellen neue Kurse und Inhalte in der App. Im Moment arbeitet Tina am Englischkurs für Vietnamesischsprachige und Adele am Englischkurs für Russischsprachige. Beide haben Erfahrung im Unterrichten von Englisch und Chinesisch – und deshalb übernehmen wir diese Woche „Sag mal, Duolingo“! Gemeinsam bündeln wir unsere Kompetenzen als Sprachlehrende, Lernende und Forschende, um dir den besten Wegweiser zum Erlernen chinesischer Töne zu geben!

Hier die Frage der Woche:

Sag mal, Duolingo,

ich lerne gerade Chinesisch, tu mich aber schwer mit den verschiedenen Tönen. Wie kann es sein, dass ein einziges Wort je nach Ton mehrere Bedeutungen hat? Für mich hört sich das alles gleich an! Habt ihr ein paar Tipps, wie man die Töne besser erkennen und aussprechen kann?

Viele Grüße
Tom Tonlos

Keine Sorge, Tom Tonlos, es ist mehr als verständlich, dass du dich von den chinesischen Tönen überfordert fühlst. Jeder Aspekt einer Sprache, der sich von der Muttersprache unterscheidet, kann gewöhnungsbedürftig sein! Töne zu lernen ist jedoch absolut machbar – schau dir nur die Erfolgsgeschichten von Xiaomanyc und OMG! Meiyu an und lass dich inspirieren! Es gibt viele Strategien, um chinesische Töne zu üben (und eines Tages zu beherrschen!)

Sehen wir uns also genauer an, was Töne eigentlich sind und welche Strategien es gibt, um sie zu lernen.

Was sind chinesische Töne?

Töne sind Muster in der Tonhöhe, die nach oben und unten gehen. Ein Ton kann also hoch (wie eine Geige) oder tief (wie eine Tuba) sein! Chinesische Töne mögen Lernenden vielleicht Angst machen, sie haben allerdings eine überaus wichtige Funktion! In Tonsprachen helfen Töne dabei, zu erkennen, welches Wort und welche Bedeutung gemeint ist. Sie sind genauso wichtig wie einzelne Laute, wie zum Beispiel „m“ oder „a“, und eine Änderung des Tones kann die Bedeutung des Wortes völlig verändern.

Die gute Nachricht ist, dass wir in unserer Muttersprache selbst oft Gebrauch von diesen Variationen in der Tonhöhe machen und diese auch wahrnehmen – auch wenn wir die Begriffe „Tonhöhe“ oder „Töne“ nicht aktiv verwenden. Zum Beispiel lassen wir unsere Stimme am Satzende oft ansteigen, um eine Frage zu signalisieren. Der Unterschied zwischen Sprachen wie dem Deutschen und dem Chinesischen besteht jedoch darin, dass sich im Deutschen die Bedeutung eines Wortes nicht ändert, wenn wir die Tonhöhe variieren: „Katze“ bedeutet immer dasselbe, egal ob die Stimme hoch geht („Katze?“), flach bleibt („Katze“), oder etwas anderes tut („KATZE!!!“). Deutschsprachige, die eine Tonsprache wie Chinesisch lernen, müssen sich also ein wenig mehr anstrengen und lernen, ihre Stimme auf eine völlig neue Art und Weise zu nutzen: Sie müssen ihre Tonhöhe bei jeder Silbe variieren!

Wie lernt man also Töne im Chinesischen?

Zu behaupten, dass die Töne im Chinesischen extrem wichtig sind, wäre eine Untertreibung! Jedes chinesische Wort hat einen Ton und die vier Töne des Chinesischen sind: konstant, steigend, fallend-steigend und fallend. Diese Bezeichnungen sagen bereits einiges über die Aussprache aus!

  • Konstant: Deine Tonhöhe bleibt hoch und konstant, ohne sie zu senken oder weiter ansteigen zu lassen.
  • Steigend: Deine Stimmhöhe steigt an.
  • Fallend-steigend: Deine Tonhöhe startet tief, fällt weiter ab und geht anschließend hoch weiter.
  • Fallend: Deine Stimmhöhe geht nach unten.

Chinesisch-Anfänger finden Pinyin (eine romanisierte Schreibweise des Chinesischen) sehr hilfreich beim Erlernen von Tönen, da dieses Schriftsystem für jeden Ton ein eigenes Symbol hat. Ganz deutlich erkennt man diese Symbole in den Wörtern ,, und , und sie ahmen gewissermaßen nach, was deine Stimme bei ihrer Aussprache tun muss. Diese vier verschiedenen Töne ergeben vier völlig unterschiedliche Wortbedeutungen: Mutter, Hanf, Pferd und schimpfen, um genau zu sein! Du siehst also, warum es wichtig ist, diese Töne zu beherrschen – du willst doch nicht aus Versehen deine Mutter ein Pferd nennen (nehme ich an …?). Der Wechsel des Tons von zu verändert die Bedeutung des Wortes genauso wie der Wechsel des „L“ im Deutschen Lampe zu etwas anderem (Rampe, Pampe usw.). Töne sind also wichtige Elemente, genauso wie Vokale und Konsonanten – und sie ändern die Wortbedeutung komplett!

Die vier chinesischen Töne sind zwar nummeriert, stehen aber nicht in einer festen Reihenfolge. Sie dienen nur dazu, zu wissen, welcher Ton gemeint ist. In der Tabelle unten findest du eine detaillierte Übersicht über alle Töne mit der dazugehörigen Tonhöhe sowie mit Beispielen (,, und ).

Ton Beispiel Wie der Ton klingt Optische Beschreibung
1. Konstant 妈 mā
(Mutter)
Ton 1 ist ein hoher und gleichbleibender Ton. Stell dir vor, dein Arzt sagt dir, dass du den Mund öffnen und „ahhhh“ sagen, und dann diese Tonhöhe konstant halten sollst! Image of an open mouth
Ahhhhhh
2. Steigend 麻 má
(Hanf)
Ton 2 beginnt tief und wird dann gegen Ende des Wortes höher. Stell dir vor, ein Freund oder eine Freundin erzählt dir den neuesten Klatsch und Tratsch und du reagierst mit einem erstaunten „Was?!?“ Image of a baby looking wide-eyed and curious
Was?!?
3. Fallend-steigend 马 mǎ
(Pferd)
Ton 3 startet tief, fällt weiter ab und steigt dann etwas an. Es klingt in etwa so, als würdest du „Najaaa …“ sagen, wenn dein Freund oder deine Freundin dich fragt, ob du eine neue Flamme hast und die Antwort Ja lautet! Image of Duolingo character Lin smiling slightly
Najaaaa...
4. Fallend 骂 mà (schimpfen) Ton 4 beginnt hoch, fällt dann ab und endet schließlich tief. Es klingt in etwa so wie ein kräftiges „Nein“. Image of Duolingo character Zari smiling happily and her best friend Lily looking unimpressed
Nein!

Diese chinesische Tontafel ist eine weitere nützliche Methode, um sich die vier Töne zu merken. Anhand der Tafel erkennt man, wie die Töne auf zwei verschiedene Arten variieren, und zwar je nachdem, 1. wie hoch oder tief die Stimme ist (befindet sich der Ton oben in der Tabelle und ist hoch, oder liegt er unten in der Tabelle und ist tief?) und 2. welchen Verlauf die Stimme nimmt (konstant, steigend, fallend-steigend oder fallend).

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Warum hat das Chinesische Töne?

Die Sprachen auf der ganzen Welt unterscheiden sich in der Anzahl und Art ihrer Laute und darin, ob sie Töne haben oder nicht! Das Chinesische hat weniger Konsonanten und Vokale als das Deutsche (zum Beispiel gibt es im Chinesischen keinen „v“-Laut), daher gibt es weniger Möglichkeiten, Laute zu Wörtern zu kombinieren – und hier kommen die Töne ins Spiel: Mit Tönen kann das Chinesische die Anzahl der Wörter, die Sprecher mit derselben Anzahl von Vokalen und Konsonanten bilden können, mehr als vervierfachen.

Chinesisch ist übrigens nicht die einzige Tonsprache! Eine große Anzahl an afrikanischen Sprachen südlich der Sahara, asiatischen sowie indigenen amerikanischen Sprachen verfügen ebenfalls über Töne. Und die Anzahl der Töne in einer Sprache kann variieren – es ist nicht ungewöhnlich, dass es 5 bis 6 Töne in einer tonalen Sprache gibt. Und Wobé, das an der Elfenbeinküste Afrikas gesprochen wird, kann sogar bis zu 14 Töne haben!

Wie kann ich chinesische Töne üben?

Da du jetzt genauer verstehst, was Töne sind und welche Bedeutung sie für eine Sprache haben, zeigen wir dir, wie du das Hören und die Aussprache von Tönen üben kannst!

Zuhören: Die Forschung zeigt, dass du deine Aussprache von Tönen verbessern kannst, indem du lernst, sie auditiv zu unterscheiden. Schärfe also deine Ohren und versuche nach und nach, besser die Unterschiede zu erkennen!

  • Mach deine täglichen Duolingo-Lektionen, um dein Gehör weiter zu trainieren. Duolingo verwendet viele verschiedene Sprecher, Wörter und Kontexte, was sehr effektiv ist, um Klänge und Töne in deiner neuen Sprache zu lernen!
  • Notiere dir während deiner Lektionen alle neuen Wörter, die du lernst, und kennzeichne dabei die Töne mithilfe der Pinyin-Symbole (z. B. ā, á, ā, à).
  • Hör dir viele Beispiele von Tönen an. Tippe bei deinen Chinesisch-Lektionen auf Duolingo das Lautsprechersymbol an, um dir die Wörter und Sätze erneut anzuhören und zu versuchen, die verschiedenen Töne zu identifizieren. Vergleiche dann deine Vermutung mit dem Pinyin in der Lektion. Du könntest das zu einer Art Spiel für dich selbst machen! Diese praktische Pinyin-Tabelle bietet sich hervorragend dafür an, mit den Tönen zu spielen und die Unterschiede herauszufinden.
  • Wenn du glaubst, dass du die einzelnen Töne schon gut erkennst, kannst du deine Fähigkeiten mit diesem Tool zum Erkennen von chinesischen Tönen testen.

Sprechen: Zusätzlich zum Hörverständnis ist auch das Üben der Aussprache eine wissenschaftlich belegte Herangehensweise zur Verbesserung deiner Sprachfähigkeiten. Hier sind einige Möglichkeiten:

  • Wiederhole alles und übertreibe dabei, während du Duolingo nutzt. Versuche, die Aussprache von dem, was du in den Lektionen hörst, zu übernehmen – auch wenn es sich nicht um eine Sprechübung handelt! Dies hilft dir dabei, sowohl dein Hörverständnis als auch deine Aussprache zu verbessern. Wenn du außerdem die Töne beim Nachsprechen anfangs übertreibst, werden die wichtigen Unterschiede zwischen den Tönen auch dann noch deutlich, wenn du die Sprache müheloser sprechen kannst.
  • Nimm an Duolingo-Stunden teil. Mit Muttersprachlern deiner Lernsprache zu interagieren ist eine großartige Möglichkeit, gelernte Inhalte praktisch anzuwenden. Mach dir keine Sorgen darüber, in den Stunden nicht mithalten zu können – es gibt Kurse für alle Sprachniveaus, auch für Anfänger! Vielleicht findest du andere Lernende, die sich in einer ähnlichen Situation befinden und mit denen du lernen und üben kannst.
  • Bleib dir selbst treu. Jede Sprechstimme ist einzigartig und hat ihren ganz individuellen Frequenzbereich von Tönen. Achte nicht darauf, die genaue Tonhöhe eines Sprechers zu treffen, sondern konzentriere dich vielmehr darauf, welchen Verlauf deine eigene Stimme nimmt (konstant, steigend, fallend-steigend, fallend). Der tiefste Ton eines kleinen Kindes ist wahrscheinlich immer noch höher als der höchste Ton eines Erwachsenen – bei den Tönen geht es aber vor allem darum, wie ein Ton im Vergleich zu den anderen Tönen klingt! Es ist außerdem nicht nötig, dass der erste Ton wie Minnie Mouse oder der vierte Ton am Ende wie Mario Adorf klingt (es sei denn, deine Stimme ist bereits ähnlich). Mach’s dir einfacher und bleib beim Sprechen innerhalb deines normalen Stimmbereiches.

Chinesische Töne für Fortgeschrittene

(Nut für besonders Mutige!) 😏

Töne sind nicht immer in Stein gemeißelt. Je nachdem, welche anderen Wörter und Töne vor und nach dem jeweiligen Ton kommen, können Töne etwas anders klingen, als man es erwarten würde. Wenn man in einem längeren Wort zwei Töne nebeneinander setzt, kann sich einer der Töne dem nächsten anpassen. Das ist in etwa so, als wenn man für und das zusammensetzt und am Ende fürs herauskommt. Bist du neugierig geworden und möchtest mehr über Tonwechselregeln erfahren? Schreib uns eine Nachricht an Sag mal, Duolingo!

Raus aus der Komfortzone!

Wenn du dein Hörverständnis und deine Sprechfertigkeit regelmäßig übst, wirst du bald feststellen, dass dir die Töne jeden Tag ein bisschen leichter fallen und wie wichtig sie für die Kommunikation sind! Dir stehen viele Hilfsmittel zum Üben zur Verfügung, darunter auch deine Duolingo-Lektionen und Duolingo-Stunden. Mehr als eine Milliarde Menschen sprechen Chinesisch – es lohnt sich also, dranzubleiben. 💚 Töne sind sicherlich eine Herausforderung, aber mit genügend Übung und Geduld kannst auch du lernen, sie anzuwenden!