Schadenfreude, das Vergnügen am Pech anderer, ist nicht das einzige Wort der deutschen Sprache, das ein bestimmtes Phänomen umfassend und auf den Punkt genau beschreibt. Es gibt noch viele weitere einzigartige deutsche Ausdrücke dieser Art! Wir nennen dir 7 wundervoll ausdrucksstarke Wörter, die sich nicht wörtlich in andere Sprachen übersetzen lassen.

Eselsbrücke

Wer kennt das nicht: Man versucht mit aller Gewalt, sich etwas zu merken, aber es will einfach nicht klappen! Hier dient als Gedächtnisstütze die Eselsbrücke, wobei der Ursprung dieses Begriffs ebenso charmant ist wie der Name selbst: Die Menschen mussten früher oft kleine Brücken über Bäche bauen, damit die notorisch wasserscheuen Esel sie überqueren konnten, denn sie weigerten sich hartnäckig, selbst seichte Stellen zu durchqueren. Auf ähnliche Weise bauen wir mentale Brücken, um Gedächtnishürden zu überwinden. So verwenden wir beispielsweise den Satz Nie ohne Seife waschen, um uns die vier Himmelsrichtungen (Norden, Osten, Süden und Westen) zu merken.

Fremdschämen

Du hast dich bestimmt schon mehr als einmal in einer geradezu schmerzhaft peinlichen Situation befunden, in der du dich für eine andere Person, die etwas Lächerliches gesagt oder getan hat, geschämt hast. Als Deutschsprachige haben wir dafür einen Begriff: Fremdschämen – wie etwa bei den Kandidaten von Deutschland sucht den Superstar, von denen manche zum Fremdschämen schlecht singen, oder wenn ein Kollege einen Witz macht, über den keiner lacht. Auch Prominente sind nicht immun gegen peinliche Momente, die uns zum Fremdschämen bringen können. Einige gute Beispiele hierfür sind die Eskapaden von Kanye West oder die Twitter-Ausbrüche von Donald Trump.

Bescherung

Im deutschsprachigen Raum wird Weihnachten bekanntlich am 24. Dezember gefeiert und so findet auch die Bescherung, also das Auspacken der Geschenke, an Heiligabend statt. Darüber hinaus wird das Wort Bescherung häufig aber auch auf ironische Weise verwendet: Wenn man Da haben wir die Bescherung! sagt, meint man damit natürlich keine schönen Weihnachtsgeschenke, sondern eine unerfreuliche Überraschung, die einem beschert wurde. Stell dir vor, du hast einen Welpen zu Weihnachten geschenkt bekommen, den du dir jahrelang gewünscht hast – dann hattest du eine wunderschöne Bescherung. Aber wenn dein neuer Hund anschließend die Weihnachtsgans klaut und den Baum umwirft, nun, dann ist das wirklich eine schöne Bescherung!

Zugzwang

Das Wort Zugzwang kommt ursprünglich aus dem Schach (Artikel auf Englisch), wird aber inzwischen auch im Alltagsdeutsch verwendet. Es beschreibt eine Situation, in der wirklich jeder mögliche Schachzug die Lage für den Spieler, der am Zug ist, nur verschlimmert: Der Spieler würde am liebsten nicht ziehen, muss es aber und ist daher in Zugzwang. Außerhalb des Schachs bezeichnet Zugzwang eine Situation, in der man gezwungen ist, eine Wahl oder eine Entscheidung zu treffen, wobei diese jedoch nicht unbedingt zu einem nachteiligen Ergebnis führen muss.

Kopfkino

Wenn du eine lebhafte Fantasie hast, kann dein Kopfkino dein ganz persönliches Filmfestival sein. Dabei umfasst dieser Begriff alles von Erinnerungen über Tagträume bis hin zu Worst-Case-Szenarien. In jedem dieser Fälle laufen die Szenen, über die du nachdenkst, in deinem Kopf genauso lebhaft ab wie in einem Film. Also schnapp dir ‘ne Tüte Popcorn und lass dich von deinem Kopfkino auf ein aufregendes Abenteuer entführen! 🍿

Erklärungsnot

Stell dir vor, du hast zum Geburtstag eines Freundes einen leckeren Schokoladenkuchen gebacken und lässt ihn zum Abkühlen auf dem Tisch stehen. Ein paar Stunden später ertappst du deinen Mitbewohner dabei, wie er mit schokoladenverschmiertem Mund vor der leeren Kuchenplatte steht. In diesem peinlichen Moment hätte dein Mitbewohner wahrscheinlich Mühe, die Situation zu erklären oder sich zu rechtfertigen – er käme in Erklärungsnot. Politiker befinden sich häufig in Erklärungsnot, aber auch dir selbst oder den Menschen in deinem Umfeld können leicht mal die Worte fehlen, wenn es darum geht, bestimmte Umstände zu erklären. Und die Moral von der Geschicht? Verstecke deinen Schokoladenkuchen!

Sturmfrei

Das Wort sturmfrei wurde ursprünglich zur Beschreibung einer Burg oder einer Festung verwendet, die nicht erstürmt werden konnte, weil sie so gut gesichert war. Heutzutage bedeutet sturmfrei, dass man das Haus ganz für sich allein hat, weil die anderen Bewohner nicht da sind: Deine „Burg“ ist gesichert! Es wird verwendet, wenn jemand einen entspannten Abend mit seinen Mitbewohnern verbringt, oder für den seltenen freien Abend von Eltern, deren Kinder außer Haus sind. Aber ganz ehrlich: Das häufigste Szenario ist, dass ein Teenager die Gelegenheit ergreift und eine „Meine-Eltern sind-nicht-zu-Hause“-Party veranstaltet. 🎉🙌

Wörter mit „Gefühl“

Auch wenn wir mit den Feinheiten der deutschen Grammatik und des Vokabulars vertraut sind, ist es doch erhellend, an unsere manchmal überraschende Sicht auf die Welt (Artikel auf Englisch) erinnert zu werden.