Normalerweise bringen wir die Vereinigten Staaten mit der englischen Sprache in Verbindung, doch die Ortsnamen in den USA erzählen eine umfassendere Geschichte über die Sprachen und Menschen, die in diesem Land lebten. Viele Namen von Straßen, Städten und Bundesstaaten tragen eine tiefere sprachliche Bedeutung, als man auf den ersten Blick vermuten würde. 

Komm mit auf eine Reise durch die USA und ihre Ortsnamen! 🗺️

Was steckt in einem (Orts-)Namen? 

Wenn du dir eine Karte der USA ansiehst, wirst du auf Ortsnamen stoßen, die nicht wie englische Wörter klingen. Viele von ihnen spiegeln die lange und komplexe sprachliche Geschichte der USA wider, von den indigenen Völkern Nordamerikas über die Sprachen der Menschen, die während der Kolonisierung ins Land kamen, bis hin zur Immigration in unserer Zeit.

Daher gibt es in den USA Ortsnamen aus einer Vielzahl von Sprachen. Hier sind nur einige Beispiele:

Ursprungssprache Ortsnamen
Caddo Texas (Bundesstaat)
Comanche Tucumcari (Stadt in New Mexico)
Niederländisch Brooklyn (Stadtbezirk von New York City)
Harlem (Stadtviertel in New York City)
Schuylkill River (Fluss in Pennsylvania)
Französisch Algiers (Stadtviertel in New Orleans)
Louisiana (Bundesstaat)
Vermont (Bundesstaat)
Deutsch Schoeneck (Stadt in Pennsylvania)
New Braunfels (Stadt in Texas)
Delawarisch Manhattan (Stadtbezirk von New York City)
Manayunk (Stadtviertel in Philadelphia, Pennsylvania)
Spanisch El Paso (Stadt in Texas)
Miramar (Stadt in Florida)
Palo Alto (Stadt in Kalifornien)
Las Cruces (Stadt in New Mexico)

Während sich im ganzen Land Ortsnamen aus vielen verschiedenen Sprachen finden, ist besonders das Spanische von der Ostküste bis zur Westküste durchgehend präsent. Der Grund dafür ist, dass Spanisch in den USA schon lange vor dem Englischen gesprochen wurde und fast die Hälfte des heutigen Staatsgebiets bis 1848 zu Mexiko gehörte. So gibt es Bundesstaaten mit den Namen Florida („blühend“, Bundesstaat im Südosten), Colorado („gefärbt“ oder „rot“, ein Bundesstaat im Landesinneren, nach der Farbe eines großen Flusses), Nevada („schneebedeckt“, ein Bundesstaat im Westen) und Montana („gebirgig“, ein großer Bundesstaat an der Grenze zu Kanada).

Spanische Ortsnamen sind besonders im Westen und Südwesten der USA verbreitet – also in den Regionen, die früher zu Mexiko gehörten. Dazu zählen Städte wie San Antonio („Heiliger Antonius“) in Texas, San Francisco („Heiliger Franziskus“) und Los Angeles („Die Engel“) in Kalifornien, Santa Fe („Heiliger Glaube“) in New Mexico und Las Vegas („Die Wiesen“) in Nevada.

Wie werden all diese Namen eigentlich ausgesprochen?

Auf sehr unterschiedliche Weise. Ein Name nimmt – genau wie ein Wort – eine eigenständige Entwicklung und erhält eine neue Aussprache, sobald er von einer anderen Gemeinschaft übernommen oder benutzt wird. Dabei hängt die Aussprache stark von den Sprachen ab, die in dieser Gemeinschaft gesprochen werden.

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Wenn du in den USA zweisprachig bist, sprichst du einen Ortsnamen dann eher in seiner Originalaussprache aus oder auf Englisch?

Heute gibt es in den USA deutlich weniger Menschen, die Niederländisch, Französisch oder Deutsch sprechen, als zu der Zeit, als viele dieser Orte benannt wurden. Deshalb werden die meisten Ortsnamen aus diesen Sprachen heute auf eindeutig amerikanisch-englische Weise ausgesprochen. So hat zum Beispiel der Name niederländischer Herkunft „Brooklyn“ seinen ursprünglichen Vokal aus „Breukelen“ verloren und wird nun mit dem englischen Vokal /ʊ/ ausgesprochen, wie in den Wörtern foot und good.

Doch Spanisch ist in den USA die am zweithäufigsten gesprochene Sprache – das Land steht sogar weltweit an fünfter Stelle (Seite auf Englisch), was die Anzahl der spanischen Muttersprachler betrifft, und diese Platzierung liegt noch höher, wenn man alle Zweitsprachler und sogenannte Herkunftssprecher*innen (heritage speaker) in den USA mitberücksichtigt. Während es also wenige niederländische Sprecher*innen gibt, die eine Entscheidung zwischen Brooklyn und Breukelen treffen müssen, haben Zweisprachige in Spanisch und Englisch bei aus dem Spanischen stammenden Ortsnamen in den USA mehrere Möglichkeiten: 

  • den Namen vollständig auf Spanisch auszusprechen
  • ihn vollständig auf Englisch auszusprechen oder 
  • eine Zwischenvariante oder andere Alternativen zu verwenden

Zweisprachige Menschen verwenden oft je nach der Sprache, die sie in dem Moment sprechen, eine andere Aussprache. Wenn sie zum Beispiel Englisch sprechen oder sich mit Menschen unterhalten, die kein Spanisch können, sagen sie Los Angeles mit englischer Aussprache, aber in einem spanischen Kontext oder mit Menschen, die Spanisch sprechen, verwenden sie die spanische Aussprache Los Angeles. Die Aussprache hängt auch von der einzelnen Person ab (Artikel auf Englisch) und davon, wie sie ihre Zugehörigkeit zu einer bestimmten Identität betonen möchte oder ob sie Achtung vor einer Sprache und ihrer Gemeinschaft ausdrücken will. Deshalb haben Bilinguale immer mehrere Aussprachen zur Verfügung.

Überraschende US-amerikanische Aussprachevarianten

Neben Städtenamen, die aus ganz normalen Wörtern einer anderen Sprache stammen, gibt es auch solche, die direkt von bestehenden Ortsnamen in anderen Ländern übernommen wurden. Da die Menschen, die heute in diesen US-Städten leben, oft nicht mehr die Sprache sprechen, aus der der Name ursprünglich kommt – und weil teilweise viele Generationen oder sogar Jahrhunderte seit der Übernahme vergangen sind – haben diese Namen häufig eine Aussprache entwickelt, die sich deutlich von der ursprünglichen unterscheidet.

Vergleiche die Aussprache der folgenden Ortsnamen des Ursprungslandes mit denen in den USA:

Ursprungsort Ursprüngliche Aussprache Ortsname in den USA US-amerikanische Aussprache
Berlin, Deutschland Berlin Berlin, New Hampshire Berlin
Chantilly, Frankreich Chantilly Chantilly, Virginia Chantilly
Lima, Peru Lima Lima, Pennsylvania Lima
Mexiko México Mexico, Maine Mexico
Mailand, Italien Milano Milan, Illinois Milan
Orléans, Frankreich Orléans New Orleans, Louisiana Orleans or Orleans
Sevilla, Spanien Sevilla Seville, Ohio Seville
Themse (Fluss), England Thames Thames River, Connecticut Thames
Versailles, Frankreich Versailles Versailles, Pennsylvania Versailles

Orte (und ihre Aussprache) erzählen Geschichten!

Viele Ortsnamen in den USA spiegeln die Sprachen wider, die in bestimmten Regionen früher gesprochen wurden oder heute gesprochen werden. Diese Namen haben oft mehrere Aussprachevarianten, wobei es nicht die eine richtige gibt. Die Aussprache, die jemand wählt, verrät dabei etwas über die sprachliche, ethnische oder kulturelle Identität dieser Person.