Der Turm mit seinem imposanten Aussehen ist im Schach eine mächtige Figur mit langer Reichweite. Ob du gerade erst mit Schach anfängst oder dein strategisches Spiel verbessern willst – hier erfährst du alles Wissenswerte über die zweitstärkste Schachfigur!


In diesem Beitrag:

Der Turm: Einführung

Die englische Bezeichnung für den Turm als Schachfigur lautet rook. Es wird angenommen, dass dieses Wort vom persischen Wort rukh stammt, was „Streitwagen“ bedeutet. Im Laufe der Zeit wurde die Figur als Burg dargestellt – daher ihre typische Turmform in klassischen Schachsets mit dreidimensionalen Figuren. In 2D-Darstellungen, etwa in Schach-Apps, ist er einfach als turmähnliches Symbol dargestellt.

Jede:r Spieler:in beginnt mit zwei Türmen, die in den vier Ecken des Bettes platziert werden, jeweils an den Enden der beiden Grundreihen.


Ein Schachbrett mit den Ausgangsstellungen der weißen und schwarzen Türme in den Ecken des Bretts.

Was den Wert der Figuren betrifft, ist der Turm 5 Punkte wert und damit die wertvollste Figur nach der Dame. Die Türme werden zusammen mit den Damen als Schwerfiguren bezeichnet, während die weniger wertvollen Läufer und Springer als Leichtfiguren gelten. Diese Unterscheidung ist nützlich, weil eine einzelne Schwerfigur ein Schachmatt erzwingen kann, während eine einzelne Leichtfigur dazu nicht in der Lage ist.

Die Zugmöglichkeiten des Turms

Der Turm zieht eine beliebige Anzahl von Feldern geradlinig vertikal oder horizontal. Er schlägt am Ende seines Zugs, indem er auf dem Feld einer gegnerischen Figur landet.


Ein Schachbrett mit Pfeilen, die die Zugbewegungen zweier Türme verdeutlichen. Ein Turm zieht sieben Felder nach unten und der andere Turm zieht fünf Felder nach links.

Wie die meisten Figuren kann auch der Turm nicht über andere Figuren springen (die einzige Ausnahme sind die Springer) und sie lassen sich nicht umwandeln (wie die Bauern).

Spezieller Spielzug: Die Rochade

Der Turm ist jedoch an einem ganz besonderen Zug beteiligt: der Rochade

Die Rochade ist der einzige Zug im Schach, bei dem zwei Figuren gleichzeitig ziehen, nämlich der König und einer der Türme. Sie ist außerdem der einzige Moment, in dem diese beiden Figuren „springen“ dürfen, da sie sich in einem einzigen koordinierten Zug umeinander herum bewegen.

So funktioniert die Rochade:

  • Der König zieht zwei Felder in Richtung der Ecke des Bretts. Gleichzeitig springt der Turm über den König und landet auf dem Feld direkt neben ihm.
  • Man kann gegen beide Seiten des Schachbretts rochieren. Eine Rochade auf der Seite der Dame (von Weiß aus gesehen die linke Seite) nennt man lange oder große Rochade, eine Rochade auf der Seite des Königs (von Weiß aus gesehen die rechte Seite) nennt man eine kurze oder kleine Rochade.
  • Jede:r Spieler:in darf pro Partie nur einmal rochieren.
  • Weder der König noch der ausgewählte Turm dürfen zuvor gezogen haben.
  • Zwischen dem König und dem Turm dürfen keine Figuren stehen.
  • Der König darf nicht im Schach stehen, nicht durch ein angegriffenes Feld ziehen und auch nicht auf einem Feld landen, auf dem er im Schach stehen würde.
Ein weißer Turm und der weiße König stehen in ihrer jeweiligen Ausgangsstellung. Pfeile verdeutlichen ihre Zugrichtung. Der König zieht zwei Felder nach links (auf c1) und der Turm zieht direkt rechts neben das Feld des Königs (auf d1).Lange Rochade Ein schwarzer Turm und der schwarze König stehen in ihrer jeweiligen Ausgangsstellung. Pfeile verdeutlichen ihre Zugrichtung. Der König zieht zwei Felder nach rechts (auf g8) und der Turm zieht direkt links neben das Feld des Königs (auf f8).Kurze Rochade

Ja, da gibt es viel zu beachten! 😅 Selbst Profispieler:innen haben sich bei der Rochade schon vertan – wenn du dies Regeln ab und zu nochmal nachlesen musst, bist du also in guter Gesellschaft.

Dos and Don’ts für den Turm

Der Turm spielt im Schach eine wichtige Rolle, besonders im späteren Verlauf der Partie. Behalte die Türme bei deiner nächsten Zugplanung unbedingt im Blick! Hier sind zwei Möglichkeiten, wie du deine Türme einsetzen kannst:

1️⃣ Entwickle deine Türme später in der Eröffnung, nachdem du bereits die meisten deiner Leichtfiguren (Springer und Läufer) entwickelt hast. Versuche, deine Türme auf offenen oder halboffenen Linien oder in der Brettmitte zu platzieren. 

2️⃣ Der große Auftritt der Türme ist im Mittel- und Endspiel, sobald sich das Brett zu öffnen beginnt. Später in der Partie befinden sich weniger Figuren auf dem Brett und es gibt mehr freie Reihen und Linien, wodurch die Türme ihre Kontrolle über das Brett optimal nutzen können.

Empfehlungen für das Spiel mit dem Turm

  • Rochiere früh in der Eröffnung.
  • Entwickle deine Türme später in der Eröffnung nach den Bauern, Springern und Läufern. Normalerweise solltest du sie erst nach der Rochade ins Spiel bringen.
  • Positioniere deine Türme auf offenen Linien (Linien ohne Bauern, gleich welcher Farbe) oder halboffenen Linien (Linien mit nur je einem Bauern einer Farbe). Dadurch können deine Türme ihre große Reichweite voll ausnutzen und ihre Angriffskraft entfalten.
  • Verbinde deine Türme, indem du die Figuren zwischen ihnen aus dem Weg räumst.
  • Verdopple deine Türme auf derselben Reihe oder Linie.
  • Ziehe deine Türme mit Weiß auf die 7. Reihe bzw. mit Schwarz auf die 2. Reihe. Auf dieser Reihe befinden sich alle Bauern in der Ausgangsstellung, wodurch du die gegnerischen Bauern angreifen und gleichzeitig den gegnerischen König bedrohen kannst.
  • Suche nach Möglichkeiten, deinen Turm bzw. deine Türme zu nutzen, um deine:n Gegner:in auf der Grundreihe mattzusetzen.
  • Nutze deinen Turm, um deine Bauern bei der Umwandlung zu unterstützen. Im Endspiel ist es meist am besten, die Türme hinter den eigenen Bauern zu platzieren.

Was man mit dem Turm vermeiden sollte

  • Entwickle deine Türme in der Eröffnung nicht an den Rand des Bretts hinter dem Randbauern.
  • Bring deine Türme nicht zu früh in die Brettmitte. Sie sind wertvolle Figuren und werden dadurch leicht zu Angriffszielen für gegnerische Figuren mit geringerem Wert wie Springer, Läufer und Bauern.
  • Lass deine Türme nicht in den Ecken eingesperrt stehen.
  • Achte darauf, dass deine eigenen Bauern oder Figuren nicht deine Türme blockieren. Dadurch würde die Angriffskraft und Reichweite deiner Türme eingeschränkt.

Hoch hinaus mit dem Turm

Wenn der Turm gut eingesetzt wird, kann er große Bereiche des Schachbretts kontrollieren, in gegnerisches Gebiet eindringen und Schachmatt setzen. Nutze diese mächtige Figur optimal, dann bist du auf dem besten Weg, dein Schachspiel zu verbessern.