Willkommen zu einer weiteren Woche von „Sag mal, Duolingo“, der Ratgeber-Kolumne für Sprachlernende. Frühere Ausgaben findest du hier.
Hallo zusammen! Diesmal beschäftigen wir uns mit einer Frage, die sich viele Lernende – mich eingeschlossen – irgendwann auf ihrem Weg zur Verbesserung ihrer Sprachkenntnisse gestellt haben. Los geht's!
Die Frage lautet:

Ich habe über 10 Jahre außerhalb der USA (wo ich aufgewachsen bin) gelebt und all diese Zeit in Ländern verbracht, in denen hauptsächlich eine andere Sprache als Englisch gesprochen wird. Sagen wir einfach, ich habe jede Menge Erfahrung mit den Höhen, Tiefen und auch den peinlichen Momenten gesammelt, die das Sprachenlernen durch Immersion mit sich bringt.
Immersion ist nicht der einzige Weg, eine Sprache zu lernen, aber sie kann ein besonders wirkungsvolles Werkzeug sein, wenn du mit der richtigen Einstellung, den passenden Erwartungen und einem guten Plan herangehst. Genau dabei unterstützen wir dich! 💪
Hier erhältst du 10 Tipps, wie du das Beste aus deiner Zeit vor Ort herausholst!
Tipp 1: Betrachte jede Interaktion als eine Gelegenheit, dich zu verbessern
Alltägliche Aufgaben wie Einkaufen, im Restaurant bestellen, sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurechtfinden und Telefonieren wären zu Hause ziemlich banal, aber in deiner neuen Umgebung sind sie alle eine Gelegenheit, deine Lernsprache zu verbessern!
Ein Beispiel: Selbst wenn du dich schon sicher fühlst, einen Kaffee in deiner Lernsprache zu bestellen, nimm dir die Zeit, den Menschen um dich herum zuzuhören. Wie sprechen andere Kund:innen mit dem Personal? Wie sprechen die Mitarbeitenden untereinander? Welche Wörter kannst du heraushören? Gibt es Ausdrücke, die du andere sagen hörst, aber selbst noch nicht ausprobiert hast? Jetzt ist deine Chance!
Tipp 2: Sei dir über deine Ziele und Absichten im Klaren
Um sicherzustellen, dass du möglichst gut von deinen Begegnungen mit Einheimischen profitierst, sag deinen neuen Mitbewohner:innen, Kolleg:innen oder deiner Gastfamilie gleich zu Beginn, dass du deine Lernsprache üben möchtest und dass du es schätzen würdest, wenn sie dir zuhören und dir helfen (und dich korrigieren, falls du das möchtest).
Und nimm es nicht persönlich, wenn Leute mit dir deine Sprache sprechen wollen (Artikel auf Englisch) – das bedeutet nicht immer, dass du etwas falsch machst. Manchmal möchten sie einfach nur eine andere Sprache üben, genau wie du!
Tipp 3: Tritt einem Verein bei, der mit deinen Interessen zu tun hat
Welche Hobbys und Freizeitbeschäftigungen hast du zu Hause? Gehst du gern wandern, liebst du Tanzen oder bist du ein echter Schach-Fan? Es ist gut möglich, dass es in deiner neuen Stadt Menschen gibt, die diese Interessen ebenfalls teilen! Finde eine Gruppe online oder suche nach Informationen an Pinnwänden in der öffentlichen Bibliothek oder im Gemeindezentrum. Du wirst Spaß an deiner Aktivität haben, neue Freunde finden und gleichzeitig deine Sprachkenntnisse üben.
Bonus: Es lohnt sich besonders, all das Fachvokabular in deiner neuen Sprache zu lernen, das mit etwas zu tun hat, für das du dich ohnehin schon begeisterst!
Tipp 4: Nimm dir Zeit für gezieltes Gesprächstraining
Selbst wenn du von deiner Zielsprache umgeben bist, ist es nicht immer einfach, Zeit für längere Gespräche auf einem Niveau zu finden, mit dem du dich wohlfühlst!
Wenn du keinen privaten Tutor bezahlen oder an formellen Sprachkursen teilnehmen möchtest, kannst du trotzdem sicherstellen, dass du regelmäßig übst, indem du einem Konversationsclub beitrittst oder eine:n Gesprächspartner:in findest. In vielen Städten gibt es Gruppen, die sich regelmäßig treffen, um eine Sprache zu üben. Falls nicht, suche nach Leuten vor Ort, die daran interessiert sind, deine Sprache zu lernen oder zu üben, und plant gemeinsame Unternehmungen, bei denen ihr die Hälfte der Zeit in deiner Sprache und die andere Hälfte in ihrer sprecht!
Tipp 5: Arbeite oder engagiere dich ehrenamtlich in der Lernsprache
Egal, ob du wegen Arbeit, Studium, Praktikum oder aus einem ganz anderen Grund ins Ausland gehst – vielleicht stellst du vor Ort fest, dass du mit nur dieser einen Verpflichtung viel mehr Freizeit hast, als du es von zu Hause gewohnt bist!
Nutze die Gelegenheit, dich auf andere Weise zu engagieren: Wenn du Student:in bist, kann ein Nebenjob eine Möglichkeit sein, mehr Zeit mit Einheimischen zu verbringen und etwas zusätzliches Geld zu verdienen (etwas, das meines Wissens nach noch kein:e Student:in abgelehnt hat).
Wenn du bereits Vollzeit arbeitest, informiere dich über Möglichkeiten, dich ehrenamtlich für eine dir wichtige Sache zu engagieren. Dich in Situationen zu begeben, in denen du gezwungen bist, die Zielsprache zu verwenden, verschafft dir mehr Gelegenheiten, mit Einheimischen in Kontakt zu kommen – und umgekehrt!
Tipp 6: Geh auf ein Date!
Eine der besten Möglichkeiten, regelmäßig Sprachpraxis zu bekommen, ist, jemanden vor Ort dazu zu bringen, sich in dich zu verlieben. 💕
Ich mache nur halb Spaß, denn genau das habe ich getan – ich bin 2016 nach Frankreich gezogen, um Französisch zu lernen, habe vier Monate später meine jetzige Frau kennengelernt, und jetzt habe ich eine lebenslange Sprachpartnerin, die mit mir zusammenlebt.
Aber selbst wenn du nicht die Person deiner Träume triffst, haben erste Dates und effektives Lernen etwas Wichtiges gemeinsam: Bei beiden Dingen geht es darum, dich ein wenig aus deiner Komfortzone zu bewegen. Selbst wenn das Date also langweilig ist, wirst du wahrscheinlich trotzdem etwas Neues lernen!
Tipp 7: Genieße lokale Medien und Kultur
Nachrichten lesen, Radio hören, Fernsehen schauen und ins Kino gehen sind alles Möglichkeiten, mit der Sprache in Kontakt zu kommen und dabei mehr über die lokale Kultur zu erfahren!
Bonus: Wenn du allein bist (oder dich nicht so leicht verlegen fühlst 😅), sprich deinen Lieblings-TV-Charakteren, Nachrichtensprecher:innen oder Radiomoderator:innen nach, um deinen Akzent zu verbessern.
Du kannst auch nach Museumsausstellungen, Theaterstücken, Konzerten, Comedyshows und Festivals Ausschau halten. Vielleicht verstehst du nicht alles, und das ist völlig in Ordnung! Beim Lernen geht es nicht um Perfektion – es geht darum, jede Gelegenheit zu nutzen, um mit der Sprache in Kontakt zu kommen. Und wenn du in die Kultur der Menschen eintauchst, die sie sprechen, verschaffst du dir einen zusätzlichen Vorteil.
Tipp 8: Verwende die richtigen Sprachlern-Tools
Es ist großartig, von dem zu lernen, was du um dich herum hörst und siehst, aber manchmal reicht es nicht aus, die Sprache einfach nur aufzusaugen und zu hoffen, dass jedes neue Wort von selbst in dein Langzeitgedächtnis gelangt. 🥲 Deshalb ist es am besten, dich auszurüsten! Halte ein Wörterbuch griffbereit, um unbekannte Wörter nachzusehen – das kann natürlich auch ein Online-Wörterbuch sein (Artikel auf Englisch). Es ist ebenfalls hilfreich, ein Notizbuch (oder realistischer: eine Liste in deiner Notizen-App) zu haben, um neue Vokabeln oder Bedeutungen aufzuschreiben, die du noch nicht kanntest, bevor du sie vergisst.
Bonus: Wenn du später darauf zurückblickst, wird es besonders lohnend sein, zu sehen, dass einige Wörter, die früher neu für dich waren, jetzt ganz selbstverständlich geworden sind!
Tipp 9: Übe regelmäßig
Immersion ist großartig, aber sie ist nur eines von vielen Werkzeugen, die wir nutzen können, um das umfassende Wissen und das Selbstvertrauen zu erlangen, das wir brauchen, um eine Sprache zu sprechen. Durch Immersion wirst du wahrscheinlich hauptsächlich Konversationspraxis in realen Situationen sammeln – was äußerst wertvoll ist! – aber sie wird dir nicht alles vermitteln, was du wissen musst. Es kann Verbformen, Kasus (Artikel auf Englisch) oder andere Grammatikregeln geben, die durch Immersion allein schwer zu lernen und zu merken sind.
Halte deinen Duolingo-Streak am Leben, um sicherzustellen, dass du das Beste aus beiden Welten bekommst!
Tipp 10: Nimm dir Zeit für dich selbst
Eine Sprache zu lernen ist anstrengend. Es kostet unglaublich viel mentale Energie und selbst in einer Immersionssituation kannst du dich nicht rund um die Uhr darauf konzentrieren. Also versuch es gar nicht erst! Nimm dir bewusst Zeit, um mit Freund:innen oder Familie zu Hause zu sprechen, triff dich mit Leuten in deiner neuen Stadt, die aus demselben Ort oder demselben Land kommen wie du, oder genieß einfach mal deine eigene Gesellschaft und rede eine Weile mit niemandem – in keiner Sprache. (Und hab dabei kein schlechtes Gewissen!)
Sprachenlernen geschieht auch nicht auf einmal. Es wird Tage geben, an denen sich nichts von dem, was du sagen willst, so ausdrücken lässt, wie du es möchtest, und fast jeder Satz, den du sagst, bei Einheimischen auf einen verwirrten Blick stößt. Um die Ausdauer zu haben, dich immer wieder aufs Neue zu überwinden, ist es wichtig, Pausen einzulegen und dir ins Gedächtnis zu rufen, dass es ein Marathon ist und kein Sprint!
Der geheime 11. Tipp
Du wirst wahrscheinlich erst viel später merken, wie viele Fortschritte du gemacht hast – vielleicht sogar erst, wenn du wieder zu Hause bist und dein Gehirn Zeit hatte, all das zu verarbeiten und einzuordnen, was du aus deiner Immersionserfahrung mitgenommen hast. Beachte also die Tipps aus dieser Liste, die für dich funktionieren, aber vor allem: Genieß die Erfahrung und mach dir bewusst, dass jeder einzelne Tag dich deinem Sprachziel ein Stück näher bringt!
Wenn du weitere Fragen zum Thema Sprachen oder Lernen hast, schreib uns eine E-Mail an dearduolingo@duolingo.com.