Für jede:n, der:die ernsthaft Schach spielen möchte, ist das Erlernen der Schachnotation ein Muss. Dabei handelt es sich um das System, mit dem Züge während einer Partie aufgezeichnet werden. Sie ist nicht nur Voraussetzung für die Teilnahme an gewerteten Turnieren, sondern auch äußerst hilfreich, um eigene Partien später zu analysieren und sich weiterzuentwickeln.
In diesem Artikel erklären wir dir die Schachnotation und geben dir praktische Tipps.
In diesem Beitrag:
- Was ist die Schachnotation?
- Lesen und Schreiben der Schachnotation
- Symbole für besondere Züge
- Zusätzliche Symbole
- Einsatz der Schachnotation
Was ist die Schachnotation?
Die Schachnotation ist eine weltweit anerkannte Methode zum schriftlichen Festhalten von Schachzügen. Im Laufe der Zeit gab es verschiedene internationale Standards. Früher war die sogenannte deskriptive Notation das am weitesten verbreitete System der Schachnotation. Doch heutzutage wird die algebraische Notation am meisten verwendet – und um diese geht es im vorliegenden Artikel.
Lesen und Schreiben der Schachnotation
Bei der algebraischen Notation wird jede Figur mit einem Großbuchstaben wiedergegeben, mit Ausnahme der Bauern, die keinen Buchstaben besitzen, sondern bei denen nur das Zielfeld notiert wird. Das liegt daran, dass Bauern im Schach üblicherweise den wertvolleren Figuren gegenübergestellt werden, die zu Beginn der Partie auf der hinteren Reihe stehen. Mit „Figuren“ sind im Schach umgangssprachlich meist nur die Schwer- und Leichtfiguren gemeint: König, Dame, Türme, Springer und Läufer.
Um einen Zug aufzuzeichnen, schreibt man die Abkürzung der Figur, gefolgt vom Zielfeld der Figur. Jedes Zugpaar von Weiß und Schwarz wird in derselben Zeile nach der Zugnummer notiert („1.“ für den ersten Zug der Partie, „2.“ für den zweiten Zug und so weiter).
Die Bezeichnung der Felder des Schachbretts
Jedes Feld wird mithilfe eines Koordinatensystems bezeichnet, bei dem Buchstaben die vertikalen Spalten (Linien) und Zahlen die horizontalen Reihen angeben. Die Buchstaben „a“ bis „h“ stehen für die Linien, während die Zahlen 1 bis 8 die Reihen bezeichnen.
Unabhängig davon, wer die Züge aufzeichnet, wird das Koordinatensystem immer aus der Sicht von Weiß verwendet. Das bedeutet, dass die am weitesten links liegende Spalte (d. H. Linie) auf dem Schachbrett die a-Linie ist, die Spalte rechts daneben die b-Linie und so weiter. Entsprechend wird die unterste Reihe auf dem Schachbrett als 1. Reihe bezeichnet, die Reihe direkt darüber als 2. Reihe und so weiter. Aus der Sicht von Schwarz wirkt dies jedoch umgekehrt: Die am weitesten links liegende Linie ist für Schwarz die h-Linie und die unterste Reihe ist aus Sicht von Schwarz die 8. Reihe. Der Grund dafür ist, dass das Koordinatensystem beim Schach immer aus der Sicht von Weiß angegeben wird.
In der nachstehenden Tabelle sind die Schachfiguren mit ihren Abkürzungen und Beispielzügen aufgeführt. Im deutschsprachigen Raum werden die deutschen Abkürzungen verwendet, bei internationalen Partien die englischen Abkürzungen.
| Figur | Abkürzung | Beispielzug |
|---|---|---|
| König | auf Deutsch: K auf Englisch: K |
Kf1 Kf1 |
| Dame | auf Deutsch: D auf Englisch: Q |
Da5 Qa5 |
| Turm | auf Deutsch: T auf Englisch: R |
Te1 Re1 |
| Läufer | auf Deutsch: L auf Englisch: B |
Lb5 Bb5 |
| Springer | auf Deutsch: S auf Englisch: N |
Sf6 Nf6 |
| Bauer | auf Deutsch: B (wird nur selten verwendet) auf Englisch: kein Buchstabe |
d4 d4 |
Und so sehen die einzelnen Beispielzüge aus der Tabelle auf einem Schachbrett aus:
Symbole für besondere Züge
Zum Aufzeichnen besonderer Züge wie Schlagen, die Rochade, die Bauernumwandlung oder en passant gibt es spezielle Notationsregeln.
Schlagzüge
Wenn eine Figur beim Ziehen eine andere Figur schlägt, wird ein „x“ zwischen der Abkürzung für die Figur und der Bezeichnung des Zielfeldes eingefügt. Der Zug eines Springers auf f3, der einen Bauern oder eine andere Figur auf e5 schlägt, wird als Sxe5 notiert.
Wenn ein Bauer schlägt, wird der Buchstabe der Linie angegeben, auf der der Bauer steht, gefolgt von einem „x“ und dem Zielfeld. So bedeutet beispielsweise bxc4, dass ein Bauer auf b3 einen Bauern oder eine Figur auf c4 schlägt.
Es ist wichtig, dass du für Züge von Bauern Kleinbuchstaben verwendest und für die anderen Figuren Großbuchstaben, denn bxc4 bedeutet, dass ein Bauer von der b-Linie auf c4 schlägt, während Bxc4 in der englischen Notation anzeigt, dass ein Läufer auf c4 schlägt.
Rochade
0-0 wird für die kurze Rochade verwendet, egal ob Weiß oder Schwarz kurz rochiert. 0-0-0 steht für die lange Rochade, ebenfalls unabhängig davon, welche Seite sie ausführt. Du kannst dir jede Null als die Anzahl der Felder vorstellen, die der beteiligte Turm zieht: Bei der kurzen Rochade bewegt sich der Turm zwei Felder, daher gibt es zwei Nullen. Bei der langen Rochade hingegen zieht der Turm drei Felder, deshalb werden drei Nullen geschrieben.
Beispiel: Wenn Weiß im 10. Zug kurz rochiert und Schwarz direkt danach lang rochiert, wird das als 10. 0-0 0-0-0 notiert. Das sind in der Tat eine Menge Nullen und Bindestriche!
Bauernumwandlung
Bei der Bauernumwandlung wird das Zielfeld angegeben, gefolgt von einem Gleichheitszeichen und anschließend der Abkürzung für die Figur, in die der Bauer umgewandelt wird. Wenn Weiß seinen e-Bauern zur Dame umwandelt, wird dies als e8=D notiert.
Entsprechend würde man, wenn Schwarz seinen b-Bauern in einen Springer umwandelt, dies als b1=S notieren.
Wenn bei der Umwandlung gleichzeitig geschlagen wird, schreibt man einfach die Linie des Bauern, gefolgt von einem x, dem Zielfeld, dem Gleichheitszeichen und anschließend der Abkürzung der Figur. Wenn also ein Bauer von der b-Linie eine Figur auf c8 schlägt und danach in eine Dame umgewandelt wird, notiert man dies als bxc8=D.
En passant
Beim Schlagen en passant kann e.p. nach dem Zug geschrieben werden, falls gewünscht, doch dies ist optional. Wenn der weiße Bauer auf b5 den schwarzen Bauern auf a5 en passant schlägt, kann dies als bxa6 e.p. oder einfach als bxa6 geschrieben werden. Erfahrene Spachspieler:innen verstehen automatisch, dass dieser Schlagzug en passant war.
Zusätzliche Symbole
Schach
Das Pluszeichen (+) wird optional verwendet, wenn in einem Zug Schach geboten wird. Wenn also eine Dame auf d7 zieht und dabei den gegnerischen König angreift, schreibt man Dd7+.
Schachmatt
Das Rautezeichen (#) wird verwendet, wenn in einem Zug Schachmatt geboten wird. Wenn ein Turm nach h8 zieht und dabei mattsetzt, schreibt man Th8#.
Symbole zur Kennzeichnung der Zugqualität
Manchmal werden bestimmte Zeichen verwendet, um besonders gute, interessante, unklare oder schlechte Züge zu kennzeichnen:
- ! zeigt einen überraschenden oder guten Zug an, während !! einen brillanten Zug bezeichnet.
- ? weist auf einen fragwürdigen oder schlechten Zug hin, während ?? einen groben Fehler kennzeichnet.
- ?! wird für einen wahrscheinlich fragwürdigen, aber interessanten Zug verwendet, der schwer zu beantworten oder zu bewerten ist.
- !? wird für Züge verwendet, die interessant oder schwer zu finden sind, sich bei genauerer Betrachtung aber als nicht besonders gut erweisen könnten.
Diese zusätzlichen Kennzeichnungen sind nicht erforderlich und können bei der Analyse einer bereits beendeten Partie hinzugefügt werden. Sie ermöglichen es den Spieler:innen, beim späteren Betrachten einer Partieaufzeichnung wichtige Züge schnell zu erkennen.
Einsatz der Schachnotation
Wenn du an einem offiziellen gewerteten Schachturnier teilnehmen möchtest, musst du wahrscheinlich alle Züge mithilfe der algebraischen Notation aufschreiben. Selbst Spitzengroßmeister:innen sind nach den Regeln der Internationalen Schachföderation (FIDE) verpflichtet, ihre Züge aufzuzeichnen!
Heutzutage zeichnen die meisten Online-Schachwebsites die Züge automatisch für dich auf und speichern zusätzlich alle deine Partien.
Wenn du jedoch einmal eine lockere Partie am Brett (auch Over-the-Board- oder OTB-Partie genannt) spielst, kannst du die Züge aufschreiben, wenn du die Partie speichern oder sie anschließend analysieren möchtest! Das Aufschreiben deiner Züge begünstigt deine Fortschritte und fördert deine persönliche Entwicklung. Die Notierung deiner Schachpartien ermöglicht es dir außerdem, sie mit einer Schach-Engine (einem Computerprogramm, das Schachzüge, Partien oder Stellungen analysiert und an jedem Punkt den besten Zug berechnet) zu überprüfen. Dadurch kannst du deine Fehler und verpasste Chancen erkennen. Die eigenen Schwächen zu identifizieren ist eine hervorragende Möglichkeit, sich schnell zu verbessern und in der Elo-Rangliste aufzusteigen.
Schreib mit!
Die Schachnotation ist eine äußerst nützliche Methode, die Schachspieler:innen lernen und anwenden sollten. Sie ist eine Voraussetzung für alle, die auf offizieller Ebene an Wettkämpfen teilnehmen möchten und sich gleichzeitig verbessern wollen. Wenn du wirklich Fortschritte machen willst, frische deine Kenntnisse in der Schachnotation auf und zeichne deine Schachpartien jedes Mal auf, wenn du spielst!